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November 26 Sonntag
19:00 Uhr

Malediva

Leider finden beide Vorstellungen wegen Krankheit nicht statt.

 

Malediva : Fliegen lernen

Preise (EUR): 27,00 / 21,50 (erm.)

Als Tetta vor drei Jahren aus gesundheitlichen Gründen die "BARHOCKER"-Tournee abbrechen musste, war uns allen klar, dass das noch nicht das Ende von MALEDIVA gewesen sein durfte. Auch die Ärzte, die bei Tetta damals neben einer akuten Depression eine manisch-depressive Erkrankung diagnostizierten, machten uns Hoffnung, dass mit dem richtigen Leben und der richtigen Behandlung eine Rückkehr auf die Bühne möglich sein würde. In den darauf folgenden Jahren haben wir unser Leben ganz darauf abgestellt, genug Ruhe und Sicherheit in unseren Alltag zu bringen, um eine optimale Genesung für Tetta zu gewährleisten. Nach Therapien und Klinikaufenthalten, einem Umzug aufs Land, vielen Gesprächen und - das war ganz wichtig - liebevoller Unterstützung durch Familie, Freunde und Kollegen, schien es vor einem Jahr wieder möglich, an ein Comeback zu denken. Wir haben die Entscheidung für eine Rückkehr nicht leichtfertig getroffen. Wir haben uns Rat von Tettas Therapeuten und Ärzten geholt, mit unserer Agentin Eike besprochen, wie wir eine Tour planen könnten, die zwischen Auftritten genug Pausen zur Regeneration lassen würde, und schließlich schien uns Tettas Zustand stabil genug, um mit den ersten Proben zu beginnen. Diese Zeit war eine gute und glorreiche. Das alte Team fand schnell wieder zusammen, alle waren voller Freude, mit altem und neuem Material zu arbeiten, und nach einigen Wochen der Vorbereitung zum ersten Mal den altvertrauten Malediva-Sound wiederzuhören, wurde für alle von uns zu einem ganz besonderen Moment. Das Tipi am Kanzleramt empfing uns mit offenen Armen, genau wie Ihr es getan habt und etliche andere unserer Lieblingsbühnen nach Euch. Auftritte wurden vereinbart, eine Tournee zusammengestellt, Fotoshootings gemacht, Plakate gedruckt. Das alles geschah unter Beteiligung Tettas, der wieder ganz der alte zu sein schien: energiegeladen, voller Ideen, und begeistert, nach der erzwungenen Pause schon bald sein Publikum wiedersehen zu dürfen, und vor allem voller Hoffnung, das schlimmste überwunden zu haben. Eine Frau, die ich einmal auf einem Angehörigentreffen in der Berliner Charité kennengelernt habe, hat mir einen Satz gesagt, den ich nie vergessen habe: "Eine bipolare Erkrankung ist wie eine hässliche, übelgelaunte Kusine, die zum Kaffeetrinken vorbeikommt und beschließt, für den Rest deines Lebens bei dir einzuziehen." Wir haben damals darüber gelacht, aber in den letzten Tagen ist mir klar geworden, wie prophetisch diese Worte waren. Manische Depression ist eine chronische Krankheit. Viele leiden darunter, viele verzweifeln daran - aber vielen gelingt es auch, mit dieser Erkrankung zu leben und weiter in dem Beruf, den sie lieben, zu arbeiten. Die Betroffenen und ihre Angehörigen müssen achtsamer sein als andere, das stimmt; gewissenhafter auf die Einhaltung von Pausen achten, Überforderungen vermeiden, die guten Zeiten feiern, wie sie fallen, und lange Phasen der Depression überstehen - aber sie dürfen durchaus darauf hoffen, ihr Leben Stück für Stück wieder zurück zu erobern. Leider haben wir in diesem Ringen um Normalität und Gesundheit einen herben Rückschlag erlitten, und darum schreibe ich Euch diesen Brief. Es tut mit leid, Euch sagen zu müssen, dass Tettas Zustand nach einer Panikattacke so lebensbedrohend geworden ist, dass ich ihn in ein Therapiezentrum habe einweisen müssen. Dieses Zentrum liegt nur einen Kilometer von unserem Haus entfernt zwischen Sacrower und Groß Glienicker See in der Nähe von Potsdam, wir besuchen Tetta dort täglich und sind immer an seiner Seite. Er ist dort optimal versorgt, seine vertrauten Therapeuten und sein Arzt kümmern sich um ihn, und wir hoffen, ihn schon bald wieder nach Hause holen zu dürfen. Doch die traurige Wahrheit, die uns in den Gesprächen mit den leitenden Ärzten in den letzten drei Tagen klar wurde, ist, dass Tetta nie wieder auf die Bühne zurückkehren wird. Obwohl es, wie er selbst sagt, "das einzige ist, was ich kann und was ich liebe", ist er diesem Leben bedingt durch seine Erkrankung nicht mehr gewachsen. Die Endgültigkeit dieser Nachricht zu akzeptieren, war schmerzhaft, und es wird Monate dauern, bis sie wirklich bei uns allen angekommen ist. Denn diesem niederschmetternden Befund steht genau der Tetta entgegen, den wir an den guten Tagen um uns haben dürfen: witzig, warmherzig, und schlagfertig, voller Geschichten und zu jedem Abenteuer bereit, voller Pläne und ausgestattet mit einem Charme, der Gletschereis schmelzen lässt. Wir haben für uns entschieden, dass es dieser Tetta ist, den wir mit der Entscheidung, die angekündigte Tour "Völlig losgelöst" abzusagen, schützen wollen und müssen. So ernsthaft wir die Verpflichtung an Euch, eine perfekte Show zu liefern, nehmen, so entschlossen sind wir, Tettas Leben zu schützen, so gut wir können. Auch wenn Tetta es im Moment selbst anders sieht, ist er so viel mehr als nur ein Bühnentalent. Er ist Ehemann, Bruder, Sohn, Onkel und Freund, und in all diesen Rollen ist er ein Geschenk für die, deren Leben er berührt. Ich schreibe das so voreingenommen, wie ein Mensch, der sein Leben seit fast dreißig Jahren mit diesem wunderbaren Wesen teilen darf, nur sein kann, aber Tetta war schon immer etwas ganz besonderes. In seiner Sensibilität war er vielleicht schon immer ungeschützter als andere. Vielleicht hat er für seine Fähigkeit, sein Herz groß und weit zu machen und alle darin wohnen zu lassen, schon immer einen hohen Preis gezahlt. Aber die meisten von Euch haben dieses Herz auf der Bühne leuchten sehen und werden verstehen, was ich meine, wenn ich sage: wir sind fest entschlossen, es mit Zähnen und Klauen vor dieser bösartigen Krankheit zu verteidigen. Und wir werden siegen, wenn auch vielleicht nicht sofort oder zu unseren Bedingungen ... Ich schreibe Euch diesen Brief und hoffe auf Euer Verständnis, dass ich nicht jeden von Euch persönlich anrufen kann, auch wenn ich es möchte und auch, wenn Ihr es verdient hättet. Ich danke Euch für alles, was Ihr für uns getan habt. Bitte, verzeiht mir die schlechte Nachricht. Tetta, Florian und ich, wir hätten Euch so gerne wiedergesehen. Ich möchte mich so verabschieden, wie wir es auf der Bühne immer getan haben: Bleibt gesund und kommt alle gut nach Haus'.
Das wünscht Euch von Herzen,  
Euer Lo